Der Hundeführerschein – Lizenz zum Gassi gehen?

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Foto: Manja Elsässer

Der Hundeführerschein ist in den letzten Jahren immer mehr zum Gesprächsthema der Öffentlichkeit geworden.

Er soll bescheinigen, dass der Halter seinen Vierbeiner im Alltag unter Kontrolle hat und dieser weder Menschen noch andere Tiere gefährdet oder belästigt. Damit stellt der Hundeführerschein eine Art Befähigungsnachweis für Hundehalter dar und kann sogar als Sachnachweis verwendet werden.

In Deutschland werden Hundeführerscheine zum Beispiel von Prüfern nach den Richtlinien des VDH (Verband für das deutsche Hundewesen), des BVZ (Berufsverband zertifizierter Hundeschulen) oder des BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) vergeben. Daneben gibt es landesspezifische Hundeführerscheine von Tierärztekammern, wie den von Hamburger und Schleswig-Holsteiner Behörden anerkannten „HSAG-Hundeführerschein“. In Hamburg dient eine Gehorsamsprüfung, wie sie auch mit verschiedenen Hundeführerscheinen abgelegt wird, zur Befreiung eines Hundehalters von der gesetzlichen Pflicht, seinen Hund generell anzuleinen.

Wie so eine Prüfung aufgebaut sein kann, erfährst du nachfolgend am Beispiel des BHV (Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V.)

Theoretischer Teil

In den 9 Rubriken Welpen, Entwicklungsgeschichte, Lernen & Erziehung, Verhalten & Kommunikation, Hund in der Öffentlichkeit, Hund & Recht, Ernährung & Gesundheit,  Leben im Rudel und Ausdrucksverhalten wird dein Wissen geprüft. Dazu gibt es im Internet, wie bei einem PKW-Führerschein, Testfragebögen, um sich auf die Prüfung vorzubereiten.

Praktischer Teil

 Bestehend aus 3 Prüfungssituationen, in denen Hund und Halter im Umgang miteinander geprüft werden. Hierbei wird beobachtet, wie sich Tier und Mensch in Alltags- und Stresssituationen verhalten und in schwierigen Momenten zusammen funktionieren. Der Hundehalter sollte ein potenzielles Problemszenario frühzeitig erkennen und durch sein praktisches Wissen sowie den richtigen Umgang mit seinem Hund unter Kontrolle bringen können.

1. Prüfungssituation: Ablenkungsarme Situation (z.B. im Café)

In diesem Teil wird besonderes Augenmerk auf Gehorsamkeit und Handling gelegt. So sollte der Hundebesitzer auf jeden Fall seinem tierischen Gefährten die gängigen Übungen wie Sitz, Platz und Bleib beigebracht haben. Auch das Ein- und Aussteigen ins Auto und der Gang an der lockeren Leine sollte keine Herausforderung darstellen. Außerdem sollte der Hund – nach beabsichtigter Ablenkung – mit nur einem Wort des Herrchens korrigiert und in Position gebracht werden können. Die Handling-Übungen bestehen daraus zu zeigen, dass der Halter den Hund in unangenehmen Situationen, wie Zahnkontrolle, Maulkorb anlegen oder ein Spielzeug wegnehmen, im Griff hat und sich der Vierbeiner auch von einer 2. Person anfassen lässt.

2. Prüfungssituation: Öffentliche Grünanlage (soll einen Spaziergang simulieren)

Hier wird das Hunde-Halter-Team (abgeleint) mit verschiedenen Reizen konfrontiert, wie z.B. spielende Kinder, Jogger, Menschengruppen sowie eine Begegnung mit einem angeleinten und einem abgeleinten Hund inszeniert. Auch hier sollte der Hund auf die Befehle aus der 1. Situation angemessen reagieren.

3. Prüfungssituation: Im innerstädtischen Bereich (z.B. Fußgängerzone)

Diese Situation beinhaltet einen Gang an einer stark befahrenen Straße und eine Begegnung in einer schmalen Straße. Hierzu gehören auch Bus- oder Bahnfahrten, sowie eine Fahrstuhlfahrt. Zudem werden die Gehorsamkeitsbefehle erneut abgefragt.

In der Schweiz ist der Hundeführerschein seit 2008 Pflicht. Seit 2010 muss er dort sogar bereits vor dem Kauf eines Hundes absolviert werden.

Auch in Frankreich werden Halter von Wach- und Kampfhunden zum Hundeführerschein verpflichtet.

In Wien werden seit 2006 die Besitzer eines Hundeführerscheins für ein Jahr von der Hundesteuer befreit.

Seit Anfang Juli ist der Hundeführerschein in Niedersachsen Pflicht und damit gelten dort die schärfsten Regeln für Hundehalter bundesweit. So müssen Hunde dort haftpflichtversichert sein, einen Funkchip tragen und in einem zentralen Register gemeldet sein. In Berlin ist der Halter verpflichtet eine Prüfung abzulegen, sobald sein Hund auffällig geworden ist.

Daher ist es nur noch eine Frage der Zeit bis sich der Hundeführerschein in ganz Deutschland durchsetzt oder Halter sogar dazu verpflichtet werden. Der Erwerb eines Hundeführerscheins ist demnach zu empfehlen.

Wie viel so ein Hundeführerschein kostet ist allerdings schwer zu sagen, da es wie bei allen anderen Führerscheinen auch von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich ist.

Wir wünschen dir viel Spaß beim Trainieren 🙂

Dein Schnuff & Co-Team

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